| Eric-Emmanuel Schmitt: Monsieur Ibrahim und die Blumen des
Koran. Erzählung Ammann, 2002. Gebunden, 100 Seiten |
| Seitdem Monsieur Ibrahim und die
Blumen des Koran in der TV-Sendung "Lesen!" von Elke Heidenreich
angepriesen wurde druckt der Ammann-Verlag was das Zeug hält. Die
Erzählung spricht die Leser an, weil sie die Welt so zeigt, wie sie nicht
ist, aber sein könnte. Der elfjährige Moses lebt allein mit seinem Vater, einem verstaubten Rechtsanwalt, allein in Paris. Während der Vater ihm nur altbackene Ratschläge erteilen kann ("Geld ist zum Horten da, nicht zum Ausgeben") findet Moses beim angeblichen Araber Ibrahim, dem Kramer in der Rue Bleue, die echte Lebensweisheit. Ibrahim ist Anhänger des Sufismus, einer mystischen Richtung des Islam. Die Freundschaft zwischen Moses, der sich bald als Mohammed, genannt Momo, ausgibt und dem Kolonialwarenhändler ist unaufdringlich und witzig geschildert. Die dem Buch nachgerühmte Toleranz zwischen den Religionen erkannte ich nicht. Nur Ibrahim gibt etwas von seiner Lebensweisheit ("Immer lächeln!") weiter. Der Jude Moses wird seinem Vater entfremdet, seiner Mutter verleugnet er sich. Das Buch beginnt damit, daß der elfjährige Moses sein Sparschwein knackt und zu den Nutten geht. Monsieur Ibrahim ermuntert ihn dazu später sogar (Er geht selbst hin). Mich wundert, daß die Puritaner im Lande gegen diese grobe Form des Kindersex noch nicht eingeschritten sind. Wer Saint-Exupérys Der kleine Prinz mag, wird auch diese Erzählung preisen. Gegenüber dem kleinen Prinzen hat Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran die Bodenhaftung behalten. |
| Inzwischen wurden
Plagiatsvorwürfe erhoben. Es wurden Übereinstimmungen (identische
Personen und Erzählstränge) zu dem 1975 erschienenen Roman Du hast
das Leben noch vor dir [La vie devant soi] des 1980 verstorbenen
französischen Autors Romain Gary
(Pseudonym Emile Ajar) festgestellt. Gary gewann damit den bedeutenden
Literaturpreis Prix Goncourt. SZ, 21.11.2003,
S.18 |
| Elke Heidenreich: »Es ist eine
Geschichte vom Kummer, vom Verlust, vom Tod, von der Liebe, vom Erwachsenwerden
und von der Toleranz in dieser durchgeknallten Zeit, in der wir leben. Ein
Lehrstück in Sachen Güte.« |
| Elke Heidenreich in
der zweiten Lesen! Sendung zum Publikum: "Das hat ja gut geklappt, Sie haben
mir wirklich geglaubt, was ich Ihnen empfohlen habe", und meinte damit unter
anderem Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, das sofort die
Spiegel-Bestsellerliste eroberte, auf den ersten Platz vorrückte und sich
mindestens bis Dezember 2003 dort halten konnte (Spiegel Belletristik 49/2003:
Platz 10). Der Amman Verlag druckte aufgrund des Leseransturms das Buch nach.
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