| Jean-Paul Sartre: Geschlossene Gesellschaft
[Huis Clos]. Traugott König, Übs. Reinbek: Rowohlt, 1986. Broschiert, 75 Seiten Links |
| Garcin, Inés und Estelle kommen
nacheinander in die Hölle. Es ist ein Hotelzimmer, gräßlich im
Empire-Stil möbliert, das Licht brennt dauerhaft. Garcin wird eingangs
sogar von einem Kellner eingewiesen; manchmal ist von der Aufnahmestation, der
Kanzlei, die Rede. Folterknechte und - werkzeuge vermuten die Drei zu unrecht.
Es gibt sie nicht. Im Laufe des Dialogs stellt sich aber heraus, was Garcin auf
den Punkt bringt: "Also das ist die Hölle. Ich hätte es nie geglaubt ... Wißt ihr noch: Schwefel, Scheiterhaufen, Rost... Was für Albernheiten. Ein Rost ist gar nicht nötig, die Hölle, das sind die andern" (S. 58). Die drei Hauptpersonen sind sich im Leben noch nie begegnet, stellen sich vor und belügen sich gegenseitig. Jeder trägt eine verlogene Lebensgeschichte vor. Schon bald fordert Inés Ehrlichkeit: "Für wen spielen Sie denn diese Komödie? Wir sind doch unter uns" (S. 27). Im richtigen Leben sind wir sehr stark von den Meinungen anderer abhängig. Und wir legen auch viel Wert auf diese. Wir wollen etwas anderes sein, als wir sind, wir verstellen uns. Da das Stück immer noch wichtige existenzielle (Sartre!) Fragen aufwirft, ist es, trotz gegenteiliger Meinung mancher Kritiker, immer noch aktuell und wird es bleiben. Sollten wir nicht schon in diesem Leben ehrlicher sein? Ist eine Ewigkeit, wie auch immer gestaltet, überhaupt erstrebens- und erhoffenswert? Schließlich kann man das Stück auch so auffassen, daß Sartre nicht die Hölle nachstellt, sondern das tatsächliche Leben. Wir sind alle "zufällig" ins Leben geworfen. Wer statt in Deutschland in sagen wir Chile geboren wäre, würde auch sein Leben durchziehen, Freunde und einen Lebenspartner finden. Wir sind alle eine Zufallsgemeinschaft, die es sich zwar nicht für die Ewigkeit einrichten muß, zusammen zu leben. Geschlossene Gesellschaft kann man wiederlesen und wiederansehen. Es lohnt sich. |
| Anmerkungen Die Rowohlt-Ausgabe enthält ein Nachwort vom Autor (S. 60-63), Verfilmungen und eine gute Bibliografie (S. 68-76). Als Originaltitel fand ich sowohl Huits Clos als auch Huis Clos zuhauf. Was stimmt? Im Deutschen wird es unter Geschlossene Gesellschaft und Bei geschlossenen Türen aufgeführt. |
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