| Felix
Timmermans: Die sehr schönen Stunden von Jungfer
Symforosa,
dem Beginchen Leipzig: Insel, o.J. 69 Seiten. Übertr. u. Nachwort von Friedrich Markus Huebner. Insel-Bücherei 308 |
| Friedrich
Markus Huebner, Übersetzer der vorliegenden
Erzählung, erbat 1917 von Timmermans für
ein im Insel-Verlag geplantes
„Flämisches Novellenbuch“ einen Beitrag.
Vier Wochen später lieferte Timmermans Die sehr
schönen Stunden von Jungfrau
Symforosa, dem Beginchen ab. In ihr erzählt Timmermans mitfühlend die Liebesgeschichte einer Begine ( Sie trifft Martinus und verliebt sich schüchtern und schamhaft. Allein schon die Spaziergänge in die Nähe seines Wohnhauses lassen sie fürchten, "vom Beginenhof verjagt oder seitens des Pfarrers streng vermahnt zu werden" (S. 34). Ein von Symforosa herbeigeführtes Stelldichein erfolgt zu spät. Martinus war vor kurzem auf Exerzitien umgepolt worden: er wird ins Kloster gehen. Für Symforosa bricht die Welt zusammen. Später hört sie von einem Wallfahrtsbild des heiligen Antonius im Kloster der Patres. Der heilige Antonius bringt verlorene Dinge wieder zurück, lässt Suchende finden, vorausgesetzt, man glaubt daran. Sie lässt sich die Erlaubnis zur Wallfahrt geben und hofft ihren gelibeten martinus wiederzusehen. Ohne Sichtung geht sie traurig zum Bahnhof zurück und sieht ihn doch noch. Sie erknnt, dass er glücklich zu sein scheint und das genügt ihr. Dass sie den Zug versäumt, drei Stunden im Regen heimgehen muss und beim Einlass ins Kloster Probleme haben wird, kann sie nicht mehr stören. |
| Timmermans schreibt durchgehend im Präsens. Die zarte, stilvolle Geschichte gewinnt dadurch an Nähe. Die einfache, einfühlsame Sprache ist dem Geschehen angemessen. |
| Ohne dass es der Autor wahrscheinlich beabsichtigte zeichnet die Erzählung ein schreckliches Bild des gestörten Weltverständnis der durch Religion Verblendeten. Zwei junge Menschen opfern ihr Leben für einen Kult. Leidenschaftliche Liebe kann sich in einer verklemmten Umgebung zuerst nicht artikulieren und läuft durch die Weltabkehr des Martinus ins Leere. Die poetische Kunst Timmermans vermag den tragischen Verlauf kaum zu übertünchen. |
| In meiner Kindheit verlor ich ein 50-Pfennig-Stück, als Ballaufklauber beim Tennis hart verdient. Die Anrufung des heiligen Antonius fruchtete nichts. Bei der vergeblichen Suche wurde es dunkel und zum Schaden kamen die Schläge. Soweit zur Wunderkraft des Antonius. |
| Wenn man von der Tragik der Jungfer Symforosa und des
Martinus absieht und sich an der poetischen Kraft des Autors erfreut,
liest sich die Erzählung angenehm und aufbauend, da den Lesern
ein ähnliches Schicksal hoffentlich erspart bleibt. Wenn Gefahr besteht (und auch sonst) lese man: |
| Links |
| Felix Timmermans: |
| Beginen: |
| Literatur |
| Derzeit (10/2007) nur antiquarisch: Felix Timmermans: Die sehr schönen Stunden von Jungfer Symforosa, dem Beginchen. Leipzig: Insel, o.J. 69 Seiten. Übertr. u. Nachwort von Friedrich Markus Huebner. Insel-Bücherei 308. |
| Ignaas Dom: Felix Timmermans - Ein Dichter aus Flandern. Kleve: Choros, 2000. 296 Seiten |
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