| Joseph
Conrad: Heart of
Darkness [Herz der Finsternis] Bernhard Reitz, Hg. Stuttgart: Reclam, 1999. 188 Seiten – |
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| Charlie Marlow erzählt seine
Reise von Gravesend, England nach Westafrika und entlang des Kongos ins
Innere Afrikas. Dort haust der Elfenbeinjägers Kurtz. Er hat
der Kongogesellschaft sagenhaften Reichtum durch Elfenbein beschert,
herrscht andrerseits mit Brutalität über ein eigenes
kleines Reich. Marlow tuckert mit einem kleinen Dampfer flußaufwärts, einige dort liegende Stationen aufsuchend. Sein Auftrag – wie so manches in dem Roman – scheint ziemlich vage. Er stößt in den dunklen Kontinent vor, zugleich auch in die Finsternis eines skrupellosen Charakters. |
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| Joseph
Conrad verfügt über einen enormen Wortreichtum. Man
merkt es besonders am englischen Original: Worte werden kaum wiederholt
außer zu merkwürdigen Doppelungen, die den gesamten
Roman durchziehen und die im berühmten gehauchten Ausspruch
des Agenten Kurtz gipfeln: "The
horror! The horror!" (S. 149). Darauf
stirbt er. Der Leser darf rätseln, was Kurtz meinte:
Todesangst? Lebensrückblick? Furcht vorm Jenseits? Ein weiteres hervorhebenswertes Merkmal des Stils ist wie geschickt Conrad eine Atmosphäre der Unwirklichkeit hervorruft. Auch beim zweiten Lesen entstehen neben der konkreten Schilderung des Urwalds, der Fahrt und der Aktionen zum Gelingen der Reise verschwommene Bilder von Kurtz und seinem sagenumwobenen Reich. Das Kapitel III beginnt Conrad mit einer ausführlichen Charakterisierung, hinter der man zunächst Kurtz vermutet (S. 118f). Es ist aber nur ein Manager für Kurtz. |
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| Heart of Darkness begründete motivmässig eine eigene Literatursparte, setzte aber auch bekannte fort. Meist nennt man die Odyssee, die Gralssuche, Vergils Aeneis und Dantes La divina commedia. Mit einer geographischen Reise wird eine psychologische verbunden. Der Romantitel wurde zur Metapher zum Vorstoß in unbekannte Gefilde. | ||
| Neben
Kritik am Kolonialismus beherrschen den Roman existentielle Fragen.
Durch die Fokussierung auf Kurtz wird der Blick auf den
Erzähler Marlow geschwächt. Über ihn
heißt es: "He was a seaman, but he was a wanderer,
too" (S. 8), damit den Fliegenden
Holländer mit dem Ewigen
Wanderer
verknüpfend (siehe Allerdings zeigt der Text zahlreiche Vorurteile und Klischees der Weißen von den Afrikanern, siehe dazu Chinua Achebe: Ein Bild von Afrika. Rassismus in Conrads “Herz der Finsternis” unter Joseph Conrad konnte in Heart of Darkness so authentisch schreiben, da er 1890 selbst eine ähnliche Expedition in den Kongo unternommen hatte, auf der er schwer erkrankte. |
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| Kunstvoll ist die
Konstruktion. Ein
Ich-Erzähler berichtet vom Kapitän Marlow, der die
eigentliche Geschichte erzählt. Dabei war Marlow einer der
Hauptbeteiligten, ja geradezu die Gegenfigur zu Kurtz. Der ganze Roman
baut zwar auf eigenen Erlebnissen Conrads auf, durch die Konstruktion
kann er sich aber von den Geschehnissen distanzieren. Ian Watt meint,
dass Conrad zu dieser Erzählsituation von Henry
James
beeinflußt wurde (Watt 1978, S. 160, siehe Für Conrad und Marlow bleibt vieles unerzählbar und ungeklärt.
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| Heart of Darkness ist ein zentrales Werk der Literatur und schon deshalb lesenspflichtig. Conrads ausgezeichnete Sprache und die zahlreichen Bilder und Fragen, die der Text hervorruft, empfehlen Heart of Darkness für mehrfaches Lesen. |
| Buddha | |
Mindestens
drei Passagen in Heart of Darkness vergleichen die
Haltung Marlows während seiner Erzählung mit Buddha.
Ebenso ringt Marlow in der Nacht seines Erzählens. Mehrfach betont er, daß er sich mit dem Erzählen die Geschehnisse klar machen will. Auf seiner Fahrt in Brüssel und m Kongo lernt er ebenfalls Alter, Krankheit und Tod hautnah kennen. Punam Kumar Saha, Professor emerit. an der Case Western Reserve University, Cleveland, Ohio, stellt fest, dass nach den drei Passagen jeweils das Wasser der Themse erwähnt wird. Saha diskutiert die drei Textstellen eingehend, siehe unter |
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| Herz der
Finsternis, Übersetzung und Bearbeitung John von Düffel am Deutschen Theater Berlin Regie Andreas Kriegenburg; Uraufführung 17. September 2009 – |
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| Links | |
| »Odyssee«,
siehe |
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| Literatur | |