| Stendhal:
Rot und Schwarz [Le Rouge et le Noir, 1830] München: List 1967. 611 Seiten Links Literatur |
| Dieser Roman nahm mich von Anfang an
gefangen. Eine ähnlich knallharte Aussage werdet ihr in den anderen
Rezensionen auf diesen Seiten vergeblich suchen. Es ist beispielsweise unvorstellbar, wie Stendhal auf fünf Seiten den stundenlangen Kampf Juliens ihre Hand in seiner zu halten, schildert und dies auch noch kurzweilig zu lesen ist. Julien Sorel, ein ehrgeiziger und fleißiger Bauernsohn, lernt die Bibel auswendig; auf lateinisch. Er gerät als Privatlehrer in beste Kreise. Trotzdem der Roman im Jahre1830 spielt, sind die gesellschaftlichen Umstände auch für den heutigen Leser noch aufschlußreich. Der die Veränderung erstrebende Bürger wird als Störung empfunden, er "hindert uns, das Gute zu tun". Oder was sagt ihr dazu: "So weit ist es also im Staat gekommen, ein elender Arbeiter zwingt mich, mit ihm zu verhandeln, und spielt dabei noch den Frechen!" Wie bei Stendhal nicht anders zu erwarten stehen im Vordergrund aber Juliens Liebe zu zwei Frauen und die sich daraus ergebenden Verstrickungen für seine Karriere. Daß es dabei gefährlich wird, läßt sich ahnen. "Die einzige Auszeichnung, die ich für einen Mann sehen kann, ist eine Verurteilung zum Tod", dachte Mathilde; "jede andere kann man kaufen". Kurz nach der Hälfte hatte der Spannungsbogen eine Furche: das ausführliche Ballgeplänkel in der Pariser High Society langweilte mich. Doch dann steigerte sich die Handlung bis zum fulminaten Schluß. Rot und Schwarz wurde mehrfach verfilmt, allerdings unter den Titeln "Der geheime Kurier" oder "Il corriere del re". Ein ausgezeichneter Filmstoff und ebenso lesenswert. |
| Links u. a. |
"Rot und Schwarz" Hörspiel in drei Teilen von Helmut Peschina; Regie: Marguerite Gateau Deutschlandradio Kultur/ORF 2005 |
| Literatur |
| Rinser, Luise: "Stendhal. Rot
und Schwarz". In: Fritz J. Raddatz, Hg.: ZEIT-Bibliothek der 100
Bücher. Frankfurt 1980. S. 190-192; |