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Stendhal. Meistererzählungen
Stendhal. Meistererzählungen
Zürich: Manesse 1986. Übs. Eva Rechel-Mertens - 637 Seiten.
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Schon die erste Erzählung Die Cenci ist ein Hammer. Nach einem Gattenmord werden Frau und zwei Kinder grausamst hingerichtet. Papst Clemens VIII. "war sanftmütig und barmherzig" und befahl "daß sie unverzüglich ungezähmten Pferden an den Schweif gebunden und so zu Tode geschleift werden sollten." Die Kirchenhörigkeit findet ihren Gipfel darin, daß die begüterten zum Tode Verurteilten ihr Vermögen verschiedenen kirchlichen Instanzen vermachen.
Schwächer sind Vittoria Accoramboni und Die Herzogin von Palliano.
San Francesco a Ripa spielt im 18.Jahrhundert in höchsten Adels- und Kirchenkreisen Roms. Zwei Nichten des Papstes wetteifern um den jungen Sénécé, dazwischenfunkt der karrieregeile Ferraterra. Die sich rasch entwickelnde Tragödie findet ein groteskes Ende.
Die Äbtissin von Castro hat dann wieder alles, was ich inzwischen von Stendhal erwarte: eine leidenschaftliche Liebe, unerfüllt wegen Standesunterschieden; Hauptmotto aller Handlungen: "Die Ehre verlangt es"; dekadenter Adel; machtgierige Kirche. So klärt ein Fürst seinen naiven Hauptmann über höfische Gepflogenheiten auf: "In jedem Fall hütet euch wie vor einer Todsünde davor, die kleinste Wahrheit zu sagen." Das könnte auch von Oscar Wilde sein. Abt und Äbtissin wird man nur durch Bestechung und großzügige Schenkung: "Eine Äbtissin, deren Schenkung der ihrer Vorgängerin nachstand, fiel zugleich mit ihrer Familie der Verachtung anheim." Die ungeheuren Reichtümer und der noch immer gewaltige Einfluß der Kirche werden so verständlich. Die Protagonisten der Geschichte Giulio Branciforte und Elena Campireali könnten direkt Stendhalsche Prototypen sein.
Es folgt Vanina Vanini. Typisch: zwei Liebende aus unüberbrückbaren Ständen. Die superschöne Vanini will es besonders schlau einfädeln und scheitert. Ich habe nachgelesen: ebenholzschwarze Haar.
Lesen!
Zürich: Diogenes 1992. Taschenbuch - 299 Seiten
Stendhal. Meistererzählungen

Stendhal. Meistererzählungen
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 1.5.2002