| Charles Nodier: Die Krümelfee [La fée aux miettes]. In: Die Krümelfee und andere Erzählungen. Zürich: Manesse, 1979. Hermann Hofer, Übs. und Nachwort; Tony Johannot, Illustrator. 455 Seiten. S. 5-251. Stil und Motive Alraune Romantik Lateinische Zitate Autor Links Literatur |
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Wie üblich in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts und im romantisch-phantastischen Genre packt
Charles Nodier seine Erzählung La fée aux miettes in eine
Rahmenerzählung. Der Ich-Erzähler trifft reist mit seinem Diener
Daniel Cameron spontan nach Glasgow um die Mondsüchtigen zu suchen und
besuchen. Am Sankt-Michaels-Tag besichtigt er deren Haus und lernt das Lied der Alraune kennen:
Der Mondsüchtige stellt sich als Michel, der Zimmermann, vor und beginnt sein phantastisches Leben zu erzählen. Es wird begleitet vom häufigen Auftauchen der Krümelfee, die dem Michel in mannigfaltiger Gestalt begegnet: zuerst als bettelnde Zwergin, dann als Heilerin, später auch als Königin von Saba. Wenn Michel und Krümelfee aufeinander treffen, rettet er meist sie aus mißlicher Lage. Bei tieferer Betrachtung ist die Krümelfee jedoch immer zur Stelle, wenn Michel ihrer Hilfe bedarf.
Der Leser durchlebt das turbulente Treiben des Zimmermanns und seiner über ihn wachenden Krümelfee, die sich immer wieder verkrümelt und die Michel trotz Alters und Aussehen heiratet. Michels Mitmenschen betrachten ihn als Spinner und "mit dem Ausdruck eines verächtlichen Mitleids" (S. 100). Einmal wird Michel des Mordes angeklagt, phrenologisch untersucht und sein Anwalt gibt den Befund preis: "Insanus aut valde stolidus. Er ist verrückt oder verblödet" (S. 133). |
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| Stil und Motive Nodier und sein Held Michel vermischen Traum und Wirklichkeit und bemühen sich nicht, die beiden Spären auseinander zu halten. Krümelfee: "Alles ist Wahrheit, und alles ist Trug" (S. 233). Auf dies muß sich der Leser einlassen. Bei aller Romantik verwebt Nodier doch aufklärerische, wissenschaftliche Science-Fiction Motive. So beschreibt er das Schiff »Königin von Saba«:
Ungerechtfertigt finde ich das Verdikt Rolf Vollmanns in Die wunderbaren Falschmünzer, der es "ein schrecklich bürgerlich-affirmatives Märchenstück" nennt, das Anlaß gibt "nach Amerika auszuwandern" (Frankfurt: Eichborn, 1997. S. 178), zumal ich nicht weiß, was "bürgerlich-affirmativ" bedeutet, viel weniger, warum man deshalb auswandern sollte. Wer gerne E. T. A. Hoffmann ( |
| Die Alraune [althochdeutsch alruna, von runa »Geheimnis«], Wurzel des Nachtschattengewächses Mandragora. Sie soll als »Zaubermittel« Glück, Reichtum, Liebe bringen. Die blaue Blume und die Suche nach ihr ist geradezu das Symbol der romantischen Poesie und ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Dieses Motiv wirkte in der phantastischen Literatur fort. 1911 schrieb der deutsche Schriftsteller Hanns Heinz Ewers (später strammer Nazi-Mitläufer) den Roman »Alraune«. Dieser Roman wurde 1952 zum dritten Male mit Hildegard Knef, Erich von Stroheim und Karlheinz Böhm unterm Buchtitel »Alraune« (Regie: Arthur-Maria Rabenalt) verfilmt. |
| Die Romantik gab nach Novalis dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem
Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Endlichen einen unendlichen
Hintergrund. Sie wandte sich gegen die Überhöhung der Vernunft und
damit wie meist in der Geschichte des Menschen gegen die
vorangehenden Generationen, das ist die Aufklärung und die Klassik. Sie
stellte dem Rationalen das Irrationale und die Gefühle zur Seite. Das
schließt den irrationalen Traum und das Wahnhafte ein. Die Figur der Krümelfee als eine in verschiedenen Gestalten durch die Zeiten wandernde Reisende oder Begleiterin gibt es in der Literatur oft, sogar in der zeitgenössischen. Dazu braucht man nicht in die Science Fiction zu gehen, die diese Thematik besonders reichhaltig pflegt. Man lese Virginia Woolf: Orlando (das mir nur bedingt gefiel) oder The Time Traveller's Wife von Audrey Niffenegger, der Erfolg eines Debütromans in 2004. |
| Rara avis in terris (S.
147) Ein seltener Vogel auf Erden; wird zunächst von Horaz als "rara avis", später von Juvenal als "rara avis in terris" verwendet. Homo sum, humani nihil a me alienum puto (S. 147-48) "Ich bin ein Mensch und nichts ist mir fremd, was Menschen betrifft". |
| Charles Nodier 29. April 1780 Besançon
27. Januar 1844 Paris |
| Literatur Derzeit (10/2004) nur antiquarisch: Charles Nodier: Die Krümelfee und andere Erzählungen. Zürich: Manesse, 1979. Hermann Hofer, Übs. und Nachwort; Tony Johannot, Illustrator. Gebunden, 455 Seiten Charles Nodier: Die Krümelfee und andere Erzählungen. München: Dtv, 1995. Tony Johannot, Illustrator. Broschiert, 455 Seiten |