| Philippe
Claudel: Die grauen Seelen [Les âmes grises]. Reinbek: Rowohlt, 2004. Gebunden, 256 Seiten. 4. Auflage, Christine Seiler, Übs. – |
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| Aus dem Abstand
von zwanzig Jahren führt der Ich-Erzähler mit Die grauen
Seelen in ein Dorf im Osten Frankreichs. Im Dezember 1917
wird die zehnjährige Tochter des Gastwirts tot am Kanal gefunden. Das Dorf ist durch einrückende Rekruten, zurückkommende Opfer des nahen Schlachtfelds, drohendes Geschützdonnern und durchziehende Soldaten mitten im Weltgeschehen. Wie in einem Drama von Shakespeare sind am Ende fast alle tot. Allerdings sind es durchwegs graue Leute, allenfalls mit örtlicher Bedeutung und Reichtum, denen Claudel Leben einhaucht. Trotz knappen Aussagen, gefiltert durch den zögerlichen Erzähler und den Abstand der Jahre werden sie lebendig wie in einem Roman von Balzac ( Nicht nur der Krieg und der Mord zerstören den grauen Alltag: mit dem Zuzug der jungen Lehrerin verändern sich einige Bewohner. Großartig, wie Claudel die erste Begegnung des steifen, kalten Staatsanwalts mit Lysia schildert (S. 55-56). Nur gelegentlich blitzt Humor auf:
Grausamkeiten muss man verkraften, sonst wird man den Roman nicht zügig lesen können. Ein bekanntes Muster ruft Oberst Matziev in Erinnerung. Er quält die beiden gefassten Deserteure, den Bretonen Le Floc besonders. Und stellt dann dem Gefolterten die Frage, die er an sich selbst stellen sollte: "Sind Sie eigentlich ein Mensch oder ein Tier?" (S. 169). In einem falsch verstandenen Mensch-Tier-Verhältnis (vergleiche
Eine interessante Bemerkung kam von einer aufmerksamen Leserin: alle Männer des Romans sind mehr schwarz als grau; die Frauen sind Lichtgestalten. Das stimmt prinzipiell, obwohl Bourrache, der Wirt, gut wegkommt und auf Lysias Verhalten doch Schatten fallen. |
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| Vorzügliche, kompakte Beschreibung der grauen Gesellschaft in der Provinz. Der Roman wurde in der Stadtbibliothek München stark verkürzend unter "Krimi" einsortiert. | ||
| Anmerkungen | ||
| Griechischer Spruch,
S. 93, wohl von Heraklit
( "In dieselben Flüsse steigen wir und steigen wir nicht" oder "panta rhei" alles fließt. |
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| Dreyfusaffäre, S. 114 Militärprozess gegen den französischen Hauptmann jüdischer Abstammung Alfred Dreyfus (1859 – 1935). Dreyfus wurde wegen Verrats militärischer Geheimnisse an das Deutsche Reich 1894 lebenslänglich auf die Teufelsinsel bei Cayenne verbannt. 1899 wurde der offensichtlich unschuldige Dreyfus begnadigt und 1906 rehabilitiert. |
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| Literatur | ||
| Shirin Sojitrawalla: "Der Mensch als kleiner Kieselstein. Philippe Claudel und sein Bestseller »Die graune Seelen«". Lesart 4 (2004). S. 18-19 |
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| Philippe
Claudel: Die grauen Seelen. Reinbek: Rowohlt, 2004.
Gebunden, 256 Seiten. 4. Aufl. [Les âmes grises] Christine Seiler, Übs.
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