| Jean
Amila: Die Abreibung Saarbrücken: Conte, 2009. Broschiert, 184 Seiten. [La bonne tisane, 1955] Helm S. Germer, Übs. – |
| Eine
bleihaltige Nachschicht im Krankenhaus Nicht nur eine Abreibung gibt es: hier versucht jeder Ganove den anderen auszustechen. Dabei erhält René Lecomte, der "Graf", zuviel ab und schleppt sich ins Krankenhaus. Dort setzt sich der Kampf um ihn fort und zwar mit allen Finessen. René ist eine Naturgewalt, eine Klasse für sich (S. 162), der selbst dann noch Angst einflößt, wenn er auf der Intensivstation liegt. |
| In einer typischen Thrillerszene kommt René Lecomte,
ehemals Chef der Pariser Gangsterwelt, zurück in seine Stadt. Dann baut
Jean Amila die ganz ruhig die Kulissen für die spätere Hetzjagd auf.
Der Ganovenwelt wird das Getriebe im Krankenhaus entgegen
gestellt. Die Krankenschwestern Aline, Sylvie und Thérèse
werden von den Patienten und den Ärzten bedrängt. Als sich die Spannungsfäden allmählich abzeichnen, schiebt der Autor ein zweiteiliges, ruhiges Kapitel ein. Mit Renés Fieberfantasie, Sylvie beim Arzt Carré und einer kleinen aufmüpfigen Pointe am Ende wird der Sturm hinauszögert. Wie ich es von Amila gewohnt bin setzt er ganz unterschiedliche Milieus gegeneinander. Doch es gibt Ähnlichkeiten im Personengeflecht. |
| Wer es noch nicht wusste, "dass sich die spannendsten Mordfälle im Krankenhaus selbst abspielen" (S. 177), der weiß es, wenn er Amilas Abreibung gelesen hat. Es bleibt offen, ob dafür die Götter im weißen Kittel oder die Gangster im grauen Trenchcoat in Frage kommen. |
| Obwohl Jean Amila sprachlich grob schnitzt kann er
seine Leser doch begeistern. René will Ärzte und Personla schonen,
daher seine Anweisung: "Den Lauf in die Rippen, aber ein Lächelns ins
Gesicht!" (S. 124). Als ums Krankenhaus das Geballere losgeht, fragen
sich die Mütter auf der Entbindungsstation: "Ist etwa wieder Krieg?
Oder ist irgendwo ein Strassenfest?" (S. 142). Und einen kleinen Bibelbezug vermag Amila auch einzubauen. Die Gangsterbraut wird zum ungläubigen Thomas, nachdem René kurz zuvor zum Heiligen erklärt wurde und während dieser die ganze Zeit um sein Leben kämpft (S. 72). |
| Jean Amila lässt in dem 1955 erschienen Roman kaum ein Überraschungsmoment aus. Filmregisseur Ernst Lubitsch hätte hier eine gute Vorlage gehabt, um seinen Heuler von 1942 "Sein oder Nichtsein" [To Be or Not to Be] zu wiederholen. Er war leider schon zu früh verstorben (1947). – Wir alle können uns an der Romanvorlage für einen super Film erfreuen. Unbedingt lesen, wenn man Gangsterthriller mag. |
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