Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Joyce
James Joyce: Dubliners. The Corrected Text with an Explanatory Note by Robert Scholes and fifteen drawings by Robin Jacques
London: Triad Grafton, 1987. Broschiert, 207 Seiten [deutsch: Dubliner] – James LinksJames Literatur
Die Dubliners sind – sagt man – der leichteste Zugang zum Romanwerk James Joyces. Das mag richtig sein, doch erfordern auch die Dubliners den aufmerksamen Leser, sonst geraten sie zu kaum aufregenden, höchstens merkwürdigen oder gar banalen Geschichten.
Die fünfzehn Kurzgeschichten spielen alle in Dublin. Als zusammengehöriger Zyklus zeigen sie die Welt des Kleinbürgertums um die Jahrhundertwende. Sie beginnen mit der Konfrontation eines Kindes mit dem Tod und enden mit dem Tod. Die Handlungen sind meist unbedeutend gegenüber der Darstellung der jeweilen Personen. Viele Protagonisten wollen der Dumpfheit des provinziellen Dublins oder ihrer Kindheit und der bigotten Umgebung entkommen.
„My intention was to write a chapter of the moral history of my country and I chose Dublin for the scene because that city seemed to me the centre of paralysis”. James Joyce, Brief an Grant Richards, 5. Mai 1906.
Den Protagonisten gelingt die Überwindung der Lähmung nicht.
Dabei bleibt vieles schon während des Verlaufs der Geschichten offen.
Während die beschriebene Handlung meist unaufgeregt daherkommt brodelt es zwischen den Zeilen. Das kommt durch die genauen Beobachtungen und die symbolischen Feinheiten. Die Strassen und Orte der Handlung werden durchweg genau benannt. Jede Geschichte enthält – oft am Ende – einen Moment der Erleuchtung ("epiphany") für einen der Protagonisten.
Erleuchtung – epiphany
„By an epiphany he meant a sudden spiritual manifestation, whether in the vulgarity of speech or of gesture or in a memorable phase of the mind itself. He believed that it was for the man of letters to record these epiphanies with extreme care, seeing that they themselves are the most delicate and evanescent of moments.” – James Joyce: Stephen Hero
Zu den nachfolgenden Kurzgeschichten der Dubliners vermerke ich mehr oder minder ausgearbeitete Stichworte. Jedesmal wenn ich eine der Geschcihten lese entdecke ich Neues.
The Sisters [Die Schwestern]
An Encounter [Eine Begegnung]
Araby [Arabia]
Eveline [Eveline]
After the Race [Nach dem Rennen]
The Boarding House [Die Pension]
Die Pension von Mrs. Mooney beherbergt Touristen und junge Künstler. Als sich zwischen der Tochter des Hauses, der 19-jährigen Polly und Bob Doran (Mitte 30), einem Pensionsbewohner, etwas anbahnt beobachtet sie. Doch dann schlägt sie zu und stellt Polly zur Rede. Diese gesteht (was genau verrät Joyce uns typischerweise nie; man darf aber vermuten: Polly ist schwanger) die Affäre. Mrs. Mooney verlangt von Doran die Heirat und nach allem, was wir in der Story lesen, scheint er sich zu ergeben.
Doran fürchtet um seine Stellung in einem katholischen Betrieb. Am Abend vor der Aussprache ging er beichten und gestand alles. Das nahm ihn sichtlich mit. Er wird als nicht überzeugungsstark geschildert: seine atheistische Jugendhaltung hat er nahezu aufgegeben. Andrerseits fürchtet er den Widerspruch seiner eigenen Familie: Mrs. Mooney lebt getrennt von ihrem versoffenen Ehemann und ihre Pension hat auch nicht gerade einen guten Ruf.
Die Heirat ist hier soziale Konvention mit katholischem Druck und erinnert an Theodor Fontane: Schach von Wuthenow.
Das Gemeine ist, Mrs. Mooney hat die Falle selbst aufgestellt. Polly war in einem Büro angestellt, doch Mrs. Mooney hatte sie zurück in die Pension geholt. „As Polly was very lively the intention was to give her the run of the young men“. Schlau wartete sie auf ihre Chance.  „Polly, of course, flirted with the young men but Mrs. Mooney, who was a shrewd judge, knew that the young men were only passing the time away: none of them meant business“. Endlich biss Mr. Doran an. „She watched the pair and kept her own counsel“. Doch ihre Zeit kam. „At last, when she judged it to be the right moment, Mrs. Mooney intervened“.
Geschickt wechselt die Erzählstimme auf Mrs. Monney und sie überlegt: „He had simply taken advantage of Polly's youth and inexperience: that was evident“. Das Urteil war gnadenlos: er muss heiraten. Mrs. Mooney hat ihre Tochter unters Dach gebracht und zwar in einer besseren Partie als der Trunkenbold von Metzger, den sie geheiratet hatte.
Mr. Doran ergibt sich in sein Schicksal: „Once you are married you are done for“.
Anmerkungen
Die Geschichte setzt mit einem Knall ein (dass es ein Knall ist, merkt man allerdings erst bei der Lektüre): „Mrs. Mooney was a butcher's daughter“. Sie führt Polly und Mr. Doran zur Schlacht-Ehebank.
Diese Charakterisierung wird in der Mitte der Geschichte verstärkt: „She dealt with moral problems as a cleaver deals with meat“. Man kann ihr nur zugute halten, dass einst ihr Ehemann selbst mit einem Hackbeil auf sie losging: „One night he went for his wife with the cleaver and she had to sleep a neighbour's house“.
Text online JoyceOnline LiteratureJoyceLiterature Collection
Joyce"The Boarding House", Wikipedia
James Theodor Fontane: Schach von Wuthenow
JoyceRobert Sullivan: "The Grammar of Duplicity in James Joyce's "The Boarding House."
JoyceBob Williams: The Boarding House - An Outline Commentary, 1999
A Little Cloud [Eine kleine Wolke]
Ignatius Gallagher kam mir vor wie ein Little Great Gatsby.
Die Begegnung von Little Chandler mit Ignatius Gallagher erinnerte mich an Reunion von John Cheever.
Es beruhigte mich zu lesen, dass sich die Literaturwissenschaftler nicht einig sind, was mit der kleinen Woke gemeint ist.
Text online: Online LiteratureLiterature CollectionJoyceClassic Shorts
Joyce"A Little Cloud", Wikipedia
Lazar, Mary (2001): “James Joyce’s “A Little Cloud” and Chandler’s Tears of Remorse”. Journal of the Short Story in English 36, S. 41-63.
Counterparts [Entsprechungen]
Bartleby, The Scribener
Text online:
CounterpartsOnline LiteratureCounterparts Classic ReaderCounterpartsLiterature CollectionCounterpartsRead Book Online
CounterpartsCounterparts (Wikipedia)
Counterparts
Counterparts
Counterparts
Counterparts
Clay [Erde]
Text online: Clay Online LiteratureClayLiterature Collection
ClaySpark Notes
ClayImelda Murphy: "Maria's Mistakes  / Clay / Dubliners", 2004
ClayBob Williams: "Clay - An Outline Commentary", 1999
Clay
Clay
A Painful Case [Ein betrüblicher Fall]
James Duffy, ein beziehungsarmer Kassier in einer Dubliner Bank lernt Mutter und Tochter kennen. Obwohl er altersmäßig mehr zur Tochter passt, freundet er sich mit der Mutter Emily Sinico an. Die Beziehung erscheint und ist so harmlos, dass der Ehemann (er ist oft verreist) denkt, sie beratschlagen wegen einer eventuellen Verbindung mit der Tochter.
Eines Tages wagt es Mrs. Sinico die Hand Mr. Duffys an ihre Wange zu führen. Der bricht – nach einer letzten "Aussprache" – die Beziehung schroff ab.
Vier Jahre später liest er in der Zeitung, dass Mrs Sinico von einem Zug tödlich überfahren wurde: ein betrüblicher Fall. Mr. Sinico teilt der Presse mit, dass seine Frau vor zwei Jahren merkwürdig wurde; die Tochter berichtet, sie hätte getrunken.
Zunächst beglückwünscht sich Mr. Duffy, dass er sich von Mrs. Sinico ferngehalten hat. Dann wird im klar ("epiphany"), dass er vielleicht nicht schuldlos an der Entwicklung war. Er versinkt in stiller Einsamkeit: ein betrüblicher Fall.
Text online: Literature Network
PainfulWikipedia
Painful
Painful
Painful
Painful
Painful
Ivy Day in the Committee Room [Efeutag im Sitzungszimmer]
A Mother [Eine Mutter]
Grace [Gnade]
The Dead [Die Toten]
Links
Wikipedia: JoyceDublinersJoyceDubliner
JoyceFrancesca Valente: Joyce's Dubliners as Epiphanies
JoyceDubliners von James Joyce – Project Gutenberg
JoyceDubliners study guide – mit "Summary and Analysis" jeder einzelnen Story!Dubliners
JoyceDubliners: Bibliography zu jeder einzelnen Story!
JoyceAn Analysis of Sexuality within James Joyce's Dubliners: Eveline, An Encounter, Clay
JoyceJoyce - Criticism: Dubliners & Portrait of the Artist as a Young Man
Joyce
Joyce
Literatur
Blanco Outón, Cristina (1995): “Two Connecting Aspects Between James Joyce’s »A Little Cloud«, »Clay«, »A Painful Case« and »The Dead«”. BELLS Barcelona English Language and Literature Studies 6, S. 23-29.
Connor, Kynan D. (2006): “Allusive Mechanics in Modern and Postmodern Fiction As Suggested by James Joyce in His Novel Dubliners”. Diss. University of Nebraska, Lincoln, Nebraska.
JoyceOnline (pdf)
Ingersoll, Earl G. (1993): “The Stigma of Femininity in James Joyce’s »Eveline« and »The Boarding House«”. Studies in Short Fiction 30:4, S. 501-510.
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Joyce JoyceJames Joyce: Dubliners. Bantam Classics, 1990. Brenda Maddox (Einleitung). Taschenbuch, 224 Seiten Joyce
James Joyce: Dubliners. Penguin Modern Classics, 2012. Taschenbuch, 368 Seiten Joyce
Joyce JoyceJames Joyce: Dubliners. Oxford: Oxford UP, 2008. Jeri Johnson, Hg. Taschenbuch, 279 Seiten Joyce
John Brannigan: York Notes on James Joyce's Dubliners. Longman 1998. Taschenbuch, 112 Seiten Joyce
Joyce JoyceJames Joyce: Dubliner. Frankfurt: Suhrkamp, 1995. Dieter E. Zimmer, Übs. Taschenbuch, 240 Seiten Joyce
James Joyce: Dubliner. DTV, 2012. Harald Raykowski, Übs. Taschenbuch, 256 Seiten Joyce
Joyce JoyceJames Joyce: Dubliner. Stuttgart: Reclam, 2012. Harald Beck, Übs. Taschenbuch, 300 Seiten Joyce
3150093031
James Joyce: Dubliner. Stuttgart: Reclam, 1995. Willi Erzgräber (Nachwort), Harald Beck (Herausgeber, Übersetzer). Taschenbuch, 339 Seiten
Joyce
Joyce JoyceRosa M. Bollettieri Bosinelli, Harold Mosher, Howard Frank Mosher, Hg.: Rejoycing: New Readings of "Dubliners". University of Kentucky, 1998. Taschenbuch, 256 Seiten Brown
Richard Brown: James Joyce and Sexuality. Cambridge: Cambridge UP, 1988.
Taschenbuch, 224 Seiten Joyce
Culleton JoyceClaire A. Culleton: Names and Naming in Joyce. University of Wisconsin, 1994. Taschenbuch, 160 Seiten Fairhall
James Fairhall: James Joyce and the Question of History. Cambridge: Cambridge UP, 1995. Taschenbuch, 308 Seiten Joyce
Oona Frawley: A New and Complex Sensation: Esssays on Joyce's Dubliners: Essays on Joyce's "Dubliners". Lilliput, 2005. Taschenbuch, 251 Seiten 1843510510
Norris JoyceMargot Norris: Suspicious Readings of Joyce's "Dubliners". University of Pennsylvania, 2003. Gebunden, 296 Seiten Reichert
Klaus Reichert, Fritz Senn, Dieter E. Zimmer, Hg.: Joyces Dubliner. Frankfurt: Suhrkamp, 1991. Taschenbuch, 335 Seiten Joyce
Schlossman Joyce Beryl Schlossman: Joyce's Catholic Comedy of Language. University of Wisconsin, 1985. Gebunden, 272 Seiten

Norton JoyceJames Joyce: The Dubliners. Gelesen von Jim Norton (6 von 15 Erzählungen). MP3-Download
Joyce
James Joyce: Dubliner. Hörverlag: Audio CD, 2012. Sprecher: Sylvester Groth, Peter Fricke, Brigitte Hobmeier, Paul Herwig, Thomas ThiemeJoyce
Joyce Anfang

Joyce
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 18.3.2010