Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
aka John Banville
Benjamin Black aka John Banville: A Death in Summer
London: Mantle, 2011. Taschenbuch, 310 Seiten – Benjamin Black LinksBenjamin Black Literatur
In Leopardstown, irgendwo in Irland, wird im Jahre 1956 der einflussreiche Wirtschaftsmagnat Richard Jewell tot aufgefunden. Der vermeintliche Selbstmord stellt sich als Mord heraus. Inspektor Hackett und sein Mitarbeiter Jenkins nehmen die Ermittlungen auf. Der Pathologe Dr. Quirke wird eingeschaltet und unausgesprochen gilt bald: Doktor Quirke übernehmen sie. Warum der Pathologe ermittelt und Hackett nur im Hintergrund agiert, wird nie erläutert. Zumindest stimmen sich die beiden öfter mal ab.
Jewell war allseitig unbeliebt und es ergeben sich verwickelte Personenverhältnisse, viele kommen als Täter in Frage.
Zwar stehen Quirkes Ermittlungen im Mittelpunkt, aber nicht immer der Mord selbst. Ein zeitlich weit zurückliegender Brennpunkt vieler Verdächtigter ist das Waisenhaus St. Christopher. Sie waren dort Insasse (viele sind Waisen – sogar Quirke –, oder adoptiert oder litten und leiden unter ihrer Kind–Eltern–Beziehung) oder angestellt. Damit gilt es diese Beziehungen zu untersuchen und zu verbessern.  So versucht Quirke seine Tochter Phoebe an seinen Mitarbeiter David Sinclair zu verkuppeln. Er selbst hilft der nicht stark trauernden Witwe über ihren Verlust hinweg.
Der Autor vergisst den Kriminalfall nicht: es wird ganz konventionell alles aufgeklärt.
Dass hinter dem Pseudonym Benjamin Black der renommierte Autor John Banville steckt, merken die Leser an der geschliffenen Sprache und zahlreichen literarischen Konnotationen. Sie werden aber eher angedeutet als ausgebeutet.
  • Jenkins hat lange, zugespitzte Ohren, an Mister Spock, aus der SF-Serie "Star Trek" erinnernd (S. 11).
  • Das Journalistenpaar Morton und Phelps rückt der Autor selbst in die Nähe eines Komödiantenduos aus der Radiozeit (S. 18). Ich assozierte eher Nippers und Turkey (aus Herman Melville: Bartleby, the Scrivener) oder Charles Dickens Figuren.
  • Paare gibt es zuhauf: Hackett & Jenkins, Morton & Phelps, Quirke & Sinclair. Hier folgt der Autor den Meistern der Detektivgeschichten, am berühmtesten wohl Sherlock
    Holmes und Dr. John H. Watson von Sir Arthur Conan Doyle.
  • Denise, die Halbschwester (!) des Mordopfers, könnte mit ihrer Extravaganz und Verschrobenheit aus einem Roman von Raymond Chandler stammen.
  • Die Witwe Francoise d' Aubigny und ihrer ermordeter Gemahl hatten ein Haus in Frankreich. Sie beschreibt die Lage: „Our place is in Cap Ferrat. That's just outside Nice. Our house is on a hill above the bay at Villefranche” (S. 98).
    Genau dort hatte ab 1928 William S. Maugham seinen Landsitz. Maugham wurde mit zehn Jahren zum Waisenkind.
In einem Interview bekannte Banville, dass er beim Schreiben seiner Kriminalromane nicht so sorgfältig vorgehe, sie entstehen während des Schreibens. Das merkt man an:
  • Kleinigkeiten wie: Denise erzählt Phoebe die ganze Story aus ihrer Sicht (S. 276). Phoebe hat nichts Besseres zu tun, als gleich darauf Jimmy Minor, den Zeitungsfritzen, anzurufen und ihm das Bekenntnis ihrer neuen Freundin Denise mitzuteilen (S. 278).
  • Oder: Selbstverrat durch plumpe Vornamennennung. Quirke, der inzwischen ein Verhältnis mit Francoise pflegte zum Ermittler Hackett: „Was Fra––was Mrs Jewell there?” Ein abgestandener Topos, tausendfach verwendet, zudem hier völlig unnötig.
  • Ärgernissen, die allgemein in Krimis vorkommen: Warnung an die Ermittler durch Post, Telefon oder Überfall, in A Death in Summer mehrfach vorkommend. Ich las noch keinen Krimi, in denen diese Warnungen irgendeine Wirkung zeigten. Wie auch, der Krimi wäre aus.
  • Oder: Episoden, bei denen jeder Leser den Zusammenhang mit der Tat sieht, die Ermittler aber diesen leugnen. Sinclair wird telefonisch gewarnt, später überfallen, ein Finger abgeschnitten und dieser an Quirke gesandt. Sinclair weist die Vermutung, das hätte mit dem Mord zu tun naiv zurück (S. 206). Was sind das für Warnungen, wenn selbst der Gewarnte den Zusammenhang nicht sieht?
Wer sich an einigen inhaltlichen Holprigkeiten und einem verwickelten Hintergrund nicht stört, liest mit A Death in Summer einen Krimi, bei dem die persönlichen Beziehungen der Handelnden, Amateurermittler Quirke eingeschlossen, im Mittelpunkt stehen. Gute Feiertagslektüre!
Links
aka John BanvilleJohn Banville
aka John BanvilleBenjamin Black aka John Banville
aka John BanvilleMark Lawson: A Death in Summer by Benjamin Black – review, The Guardian, 7. Juli 2011
aka John BanvilleThe New Master of Noir, 9. Juli 2011
aka John Banville'A Death In Summer' Starts With A Mysterious Suicide, & author interview (audio)
NPR 2. Juli 2011
aka John Banville Sir Arthur Conan Doyle: The Lost World & Other Stories
aka John Banville William S. Maugham
aka John Banville Herman Melville: Bartleby, the Scrivener
Literatur
Bei Amazon nachschauen  
Banville aka John BanvilleBenjamin Black aka John Banville: A Death in Summer. London: Mantle, 2011. Taschenbuch, 310 Seiten
aka John Banville Anfang

aka John Banville
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.7.2013