| William Somerset Maugham. The Moon and
Sixpence London: Mandarin 1996. 214 Seiten |
|
| Maugham hat
selten echte Reisser, trotzdem lesen sich seine Romane wie geschmiert. Man
schlingt sie zügig, ja gierig hinunter. Warum? Seine Personen sind immer psychologisch gut gestaltet. Er versteht es alltägliche Begebenheiten als bequeme Gewohnheiten zu entlarven. Langwierige Stimmungs- oder Landschaftsschilderungen sind nicht seine Sache. Er kriecht lieber in seine Alltagsmenschen hinein und irgendwie kriegt er es immer hin, daß sie garnicht soo alltäglich sind. Im Gegenteil: er markiert auch kleinste Nebenrollen psychologisch bemerkenswert. Der Londoner Börsenmakler Charles Strickland ist das, was man von einem Angehörigen der englischen Mittelschicht erwartet: verheiratet, zwei Kinder, ein mehr als genügendes Einkommen, das sowohl die Teilnahme als auch die Gastgeberschaft der obligatorischen Londoner Gesellschaften erlaubt. Und plötzlich haut er nach Paris ab. Wie kann dies ohne Vorwarnung nur geschehen? Welches Luder steckt dahinter? Es kommt schlimmer: er will Malen. Das schlägt die biederne Verwandtschaft um. Mrs Strickland bittet den Ich-Erzähler gar, dies im Gespräch mit anderen ja nicht zu bestätigen. Der Erzähler begegnet dem Künstler öfters in Paris und in der Rückschau auch in Marseille und auf der Südseeinsel, auf die sich Strickland zurückzieht. Er ist ein Genie, aber Maugham entlarvt ihn als fürchterlichen Charakter. Unverstanden in der bürgerlichen Welt kann sich Strickland als Vorbild diente Paul Gauguin in paradisiescher Umgebung ganz seiner Leidenschaft hingeben. Geschickt erzählt Maugham aus einer beobachtenden perspektive dieses außergewöhnlich Künstlerleben und wirft dabei die allgemeine Frage nach dem Verhältnis des Genies zu seiner Umgebung auf. Was darf es? Was schuldet ihm die Gesellschaft? Maugham gibt keine klare Antwort, doch genügend Stoff zum Nachdenken. Lesenswert. |
|
| Bei Amazon nachschauen | |
| Silbermond und Kupfermünze. Zürich: Diogenes. Taschenbuch - 220 Seiten | ![]() |
| Die neuste englische Ausgabe: The Moon and Sixpence. Vintage Books 2000. Taschenbuch - 160 Seiten | ![]() |
| The Moon and Sixpence. Penguin 1977 Taschenbuch | ![]() |